Gottes besonderer Tag

„Wir leben sechs Tage der Woche in der Tyrannei der Dinge, aber am Sabbat sollen wir teilnehmen an dem, was ewig ist in der Zeit, sagt der große jüdische Theologe Abraham Joshua Heschel.“

So eröffnet Silja Walter das letzte Kapitel ihrer Autobiographie „Das dreifarbene Meer“ (S. 201). Seit ich das Zitat 2014 bei ihr las, wollte ich mehr wissen über den Mann und sein Thema. – Einige Kostproben aus dem Buch von Abraham Joshua Heschel: Der Sabbat. Seine Bedeutung für den heutigen Menschen. Neukirchener Verlag 1992.

„In dem stürmischen Meer der Zeit und der Mühsal gibt es Inseln der Stille, wo der Mensch in einen Hafen einlaufen und seine Würde wiederfinden kann. Die Insel ist der siebte Tag, der Sabbat, ein Tag der Abwendung von den Dingen, Werkzeugen und alltäglichen Angelegenheiten und ein Tag der Hinwendung zum Geist.“ (S. 26)

Was für ein Unterschied zwischen „Werktagen“ und dem Sabbat! Heschel beschreibt es so:

„Aus den Tagen, durch die wir uns hindurchkämpfen und unter deren Last wir seufzen, schauen wir auf den Sabbat als unsere Heimat, unseren Ursprung und unsere Bestimmung. Es ist der Tag, an dem wir von unseren gewöhnlichen Tätigkeiten lassen und unseren echten Rang zurückgewinnen (…), unabhängig davon, ob wir gelehrt sind oder nicht (…).“ (S. 26)

Das erste Kapitel seines Buches trägt die Überschrift: „Ein Palast in der Zeit“. Was für ein besonderer Name für den Sabbat! In diesem Kapitel lese ich von ihm:

„Sechs Tage der Woche kämpfen wir mit der Welt, ringen wir dem Boden seinen Ertrag ab; am Sabbat gilt unsere Sorge vor allem der Saat der Ewigkeit, die in unsere Seele gesenkt ist.“ (S. 11)

Der Sabbat als „Saat der Ewigkeit“. Noch ein Bild, mit dem Heschel auf den Sabbat schaut: „ein Fenster zur Ewigkeit“. Ich zitiere:

„Was wäre die Welt ohne den Sabbat? Es wäre eine Welt, die nur sich selbst kennt oder Gott verzerrt sieht als ein Ding oder als einen, der durch einen Abgrund von der Welt getrennt ist; es wäre eine Welt ohne die Vision eines Fensters, das sich aus der Ewigkeit zur Zeit hin öffnet.“ (S. 14f)

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